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Morgenlauf mit Claudia - Auszug aus “Lebe leichter”
Krampfhaft halte ich mich an meiner Tasse Kaffee fest um nicht rückwärts vom Stuhl zu fallen. Müssen Kinder so früh zur Schule? Könnten sie nicht wenigstens eine
Stunde später mit dem Unterricht beginnen, damit die Mütter etwas länger schlafen können? Wie bekomme ich heute jemals die Müdigkeit aus meinen Knochen. Es ist 6.20 Uhr, noch mitten in der Nacht. Die armen
Kleinen müssen gleich los, und ich? Ich könnte eigentlich noch mal in mein warmes Bett zurück kriechen. Nur heute, ausnahmsweise.
Natürlich mache ich das nicht, steht doch wieder eine lange „to do Liste“ an, die erledigt werden muss. „Morgenstund hat Gold im Mund“, hat meine Großmutter
schon immer gesagt. Und dann ist ja da noch Claudia. Die wartet um 7.30 Uhr mit Turnschuhen bekleidet auf mich. Sag ich ab? Das Außenthermometer zeigt -4 C°. Bei der Kälte frieren die Füße ja beim Laufen
ein denke ich und greife zum Telefon. Oder gehe ich doch? Noch eine zweite Tasse Kaffee trinkend wäge ich das Für und Wider ab. Mittlerweile ist zumindest das Bett nicht mehr warm.
Was steht denn heute auf
meinem Plan? Wäsche waschen, Böden saugen, Bad putzen, Betten beziehen. Wo fange ich an? Zum Laufen habe ich da ja wirklich keine Zeit. Wie soll ich denn mein Pensum für heute schaffen? Wieder greife ich zum
Telefonhörer. Aber ein netter Plausch mit Claudia ist auch immer erfrischend. Das Telefon bleibt liegen.
Nach der dritten Tasse Kaffee verschwindet so langsam die Müdigkeit und ich bin in der Lage mich anzuziehen. Esse ich vorher noch eine Kleinigkeit? Nein, damit belohne
ich mich nach dem Laufen.
Pünktlich um 7.30 Uhr stehe ich gut gelaunt vor Claudias Haustüre und wir starten los. Beim Plaudern vergeht die Zeit wie im Flug. Plötzlich halten wir inne und
staunen. Da liegen vor uns die von schneeweißen Eiskristallen überzogenen Weinberge und die rote Morgensonne geht über dem Horizont auf. Was für eine schöpferische Leistung. Gott muss dieses Gemälde
gerade für uns geschaffen haben. Ich bedauere, keinen Fotoapparat dabei zu haben. Dieses Bild, aber vor allen Dingen dieses Gefühl lässt sich damit jedoch wohl kaum einfangen. Die wundervolle Landschaft
genießend laufen wir in flottem Tempo plaudernd unsere Strecke und spüren, wie die kalte, frische Luft unsere Lungen durchströmt. Angenehm körperlich erschöpft komme ich zu Hause an, genieße die heiße Dusche
und erledige voller Elan meinen ganzen Haushalt. Wieder einmal bin ich dankbar, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Bis zum nächsten Morgen.
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